Text von Kaspar Schnetzler anlässlich einer Einzelausstellung 1991
 

Zu Willi-Peter Hummels Bildern

Spiel ist die höchste Form des Daseins. Das zeigt am besten das spielende Kind: Kein Zustand ist so total, keine Ruhe so vollkommen, kein Ernst so gross. Hummels Umgang mit dem Bild ist ein solches Spiel. Die Bildfläche ist sein Spielfeld. Darauf erprobt er, wie jedesmal neu, die Möglichkeiten des Pinsels, des Stifts und Stichels, der Bildfläche selber als Material. Spielerei, Ironie, ist dabei nicht auszuschliessen, weil Hummel kein Kind mehr ist.

Das Bild ist für den Betrachter wie ein Fenster zur Person des Künstlers. Hummels Bild wird dem Betrachter erst einsichtbar, wenn er sich von der Erwartung eines Bildgegenstands gelöst hat. Nichts steht ihm auf Hummels Bildern als Hindernis entgegen. Er mag auf Stiere, ansatzweise, stossen, auf Frauenkörper, neuerdings; er braucht sich daran nicht aufzuhalten. Er muss nur eingehen auf die Zeichen, die Hummel, zunehmend spärlich, zunehmend spielerisch, setzt. Einsicht nehmen.

Die Leinwand, der Karton, das Papier wirkt, von Hummel bearbeitet, wie eine Membrane, die die Person des Künstlers zum Betrachter durchlässt. Zum Vorschein kommt Ernst und grosse Ruhe, als wären sie das ganze Leben.

Kaspar Schnetzler