Text von Sabine Arlitt anlässlich einer Einzelausstellung in der Galerie Blaues Schild, Winterthur, 2006
 

«Capas» nennt Willi-Peter Hummel (*1943) seine Ausstellung von grossformatigen, nahezu quadratischen Bildern und Zeichnungen. «Capa» heisst der farbige, oft rote Mantel der Stierkämpfer, mit dem das Tier gereizt wird. «Capa» steht aber auch für Schicht oder verweist auf den günstigen Moment, den es abzupassen gilt. Vieldeutigkeit beziehungsweise Offenheit zeichnen Hummels Schaffen aus, das in einer intensiven Auseinandersetzung mit der Höhlenmalerei wurzelt. Knappste Setzungen wechseln mit linearen Verschlingungen, Fleckenmustern und Farbnebeln ab. Skizzen entstehen vor dem Schlafengehen und aus der Erinnerung. Umrisse bleiben haften, offene Behältnisse auch, und immer wieder markiert die Erotik des Körperlichen ihre Präsenz. Dem Deuten entziehen sich die schwebenden malerischen Zeichen. Nicht das Auge sieht, sondern das grafische Vokabular des Gehirns macht sehend. (sar)